Vor zwei Wochen fasste ich den Plan, meine Semesterferien zu nutzen und spontan einen Tag ins Elbsandsteingebirge zu fahren. Ich wollte mal wieder eine Tour zur Schrammsteinaussicht machen, einer DER Aussichstpunkte der Sächsischen Schweiz. Ein Dienstag im Februar – also überall schön ruhig und nicht von Touristen überlaufen.

Ich bin also morgens früh aus den Federn und habe mich auf den Weg zum Bahnhof gemacht. Mit Kaffee und Croissant saß ich dann im Zug Richtung Bad Schandau. Das Wetter war traumhaft: blauer Himmel und eine langsam stärker werdende strahlende Sonne. Ich hatte mir eine 15 km-Route im Internet rausgesucht, der ich von Bad Schandau aus bis zu den Schrammsteinen und auf die Hohe Liebe folgen wollte.

Ich war noch nie mit dem Zug nach Bad Schandau gefahren und musste nach dem Aussteigen feststellen, dass der Bahnhof auf der „falschen“ Elbseite lag. Ich musste also erst auf die andere Seite gelangen, um meine Wanderung starten zu können. Processed with VSCO with hb2 preset

Ich warf einen Blick nach links und rechts und sah mich vor die Wahl zwischen Autobrücke und Fähre gestellt. Ganz klar: Überfahrt per Fähre!

15 Minuten später, war ich am anderen Ufer, hatte den Startpunkt der Wanderung gefunden und stiefelte los. Nach nur wenigen Minuten musste ich feststellen, dass die rausgesuchte Wanderbeschreibung nicht immer ganz eindeutig war, also lief ich direkt zu Beginn etwas zu weit und musste umkehren, bevor ich den richtigen Abzweig fand (das „nach wenigen Minuten“ aus der Wegbeschreibung stellte sich als „nach wenigen Sekunden“ heraus).

Ich wanderte bei mittlerem Anstieg durch einen Wald und es war unglaublich schön. Die Sonne stieg langsam höher und fiel zwischen den Bäumen hindurch auf den Waldboden. Nach nur kurzer Zeit erreichte ich den ersten Aussichtspunkt mit einem Blick auf Bad Schandau und die Elbe. Guter Moment für einen Schluck Kaffee aus der Thermoskanne.

 

Anschließend führte mich der Weg aus dem Waldgebiet hinaus, an einem Feld entlang mit traumhaftem Blick auf die ersten großen Sandsteine. Ich lief ein Stück an beneidenswert schönen Villen entlang, von denen ich mir gedanklich schon 1-10 als späteren Wohnsitz aussuchte, bis mich die Route an ein weiteres Feld führte, von wo ein schmaler Trampelpfad in das nächste Waldgebiet führte.

Processed with VSCO with hb2 presetBis zu diesem Zeitpunkt war ich keinem einzigen Menschen begegenet und genoss die Ruhe, die mich dort umgab.

Diesem Weg am Rande des Waldes folgte ich eine ganze Weile und konnte unten im Tal immer mal wieder einen Blick auf die Elbe erhaschen. Dann gelangte ich an den nächsten Aussichtspunkt (noch immer ohne jemandem zu begegnen): die Emmabank. Dabei handelt es sich tatsächlich um eine kleine Holzbank, die sich – beinahe verlassen wirkend – auf einem kleinen Plateau mit Blick über die Elbe und die Sandsteinwelt befand.

Ich war überwältigt. Es war ein wahnsinnig toller Ausblick! Ich habe viele, viele Fotos dort geschossen und lange einfach diesen Blick genossen. Nur leider, blieb die Sonne in dieser Zeit hinter einer dicken Wolke verborgen.

 

Irgendwann wurde es mir zu kalt und ich wanderte weiter, um mich wieder etwas aufzuwärmen. Auf einem Wegweiser las ich „Wolfsgrund“ und fand den Namen für diese Gegend äußerst passend. Vor allem zu dieser winterlich-kargen Jahreszeit.

Oben entlang der Sandsteine marschierte ich weiter und wurde von der Wanderroute bald hinunter in den „Schießgrund“ geleitet. Leider war auch hier die Wegbeschreibung nicht ganz eindeutig (vielleicht auch einfach nicht ganz aktuell) und den beschriebenen Wegweiser gab es so gar nicht. Nach kurzem Verlaufen, entschied ich mich dann aber doch für den richtigen Abzweig (der, wenn man den Weg erst einmal kennt, auch doch recht eindeutig erscheint).

Ich stieg durch den Wald hinab in ein kleines, wildromantisches Tal, in dem einige verwunschene Häuschen zu bewundern waren. Ein wenig Nebel hing noch im Tal und der Anblick der zugewachsenen, scheinbar menschenleeren Häuser war gruselig-schön. Rechts und links ragten die Felswände empor, auf deren Rand ich eben noch entlang gewandert war.

Nach einigen Minuten Fußweg durch das Tal erreichte ich die Schrammsteinbaude, eine Gaststätte, die direkt an einer asphaltierten Straße lag. Im Sommer ist es dort im Biergarten sicherlich gemütlich!

Ich musste die Straße überqueren und mich dort wieder in den Wald schlagen. Der langsam ansteigende Pfad führte mich dann nach und nach wieder aus dem Tal hinaus und ich hatte nun endlich auch offizielle Wegweiser und Markierungen, denen ich Richtung Schrammsteinaussicht folgen konnte. Etwas weiter oben entdeckte ich am Wegesrand und auf den Felsen dann tatsächlich auch Schnee.

Auf den ausgeschilderten Wanderwegen traf ich nun auch immer mal auf andere Wanderer, die wie ich dick eingepackt unterwegs durch die Winterweld waren.

Ich passierte das Schrammsteintor, nicht ohne an einer vereisten Felsenkante (war nicht sehr hoch) entlang zu balancieren und die ersten Sprossen und Stiegen zu erklettern. Der Weg führte mich direkt zwischen den riesigen Felsen hindurch und ich fühlte mich, wie jedes Mal im Elbsandsteingebirge, im Vergleich ganz winzig. Ich kraxelte die Stiegen empor – verlor dabei zu meinem größten Bedauern, die Verschlusskappe meines Kameraobjektivs in den Tiefen der Sächsischen Schweiz – bis ich endlich oben auf dem Plateau der Schrammsteinaussicht angekommen war. Dort hatte ich mir die Pause dann auch wirklich verdient.

Dort, wo sich zu wärmeren Jahreszeiten die Menschen sammeln, war ich nun – neben einem Wanderpärchen – alleine. Traumhaft!

Während ich dort oben saß und den Ausblick genoss (und mir langsam aber sicher der Po einfror) fing es ganz leicht an zu schneien. Die Schneeflocken rieselten vereinzelt und ganz langsam vom Himmel, da es so gut wie windstill war an diesem Tag. „Wie schön!“, dachte ich und konnte mich von diesem Ort nur losreißen, weil ich nicht vorhatte festzufrieren.

Ich stieg wieder ein Sück hinab und folgte dem Schrammsteingratweg bis die Wegweiser mich über Treppen und Eisenleitern hinab Richtung Ostrau führten. Unten angekommen erkannte ich den Weg wieder, auf dem mein Freund und ich schon im Sommer gewandert waren. Er führte durch den Wald entlang einer großen Lichtung, von der aus verschiedene Wege in alle Himmelsrichtungen führten. Als ich auf die Lichtung trat, stellte ich fest, dass der Schneefall stärker geworden war. Richtig dicke Flocken kamen nun vom Himmel und was zuerst wahnsinnig schön und magisch aussah, wurde mir bald zum Verhängnis.

Processed with VSCO with hb1 presetSchnell war der Boden mit Schnee bedeckt und die Sicht wurde immer schlechter. Aus diesem Grund entschied ich mich dagegen, der eigentlichen Route weiter hoch auf die Hohe Liebe zu folgen und wollte auf direkterem Weg, quer durchs Tal, zurück zu meinem Ausgangspunkt.

Leichter gesagt als getan, wenn man sich dort überhaupt nicht auskennt und eigentlich volles Vertrauen auf die Wegbeschreibung der rausgesuchten Route gelegt hatte. Leider war auch niemand unterwegs, den ich hätte fragen können. Noch dazu näherte sich mein Handyakku (das sowieso keinen Empfang dort hatte) der 5%-Marke.

Blöd gelaufen! Mir blieb also nichts anderes übrig, als mich mehr oder weniger blind für einen Weg zu entscheiden. Ob es ein Umweg wäre, würde sich dann schon herausstellen. Ich erinnerte mich grob an die Lage eines der Orte auf dem Wegweiser und folgte dem Schild Richtung „Ostrauer Mühle“, um nach Ostrau und von dort nach Bad Schandau zu gelangen. Ich lief gut eine halbe Stunde in dieser Richtung durch den Wald und fühlte mich trotz unsicherer Route und Schneefall äußerst wohl. Es war eben ein wenig abenteuerlicher als mit Wegbeschreibung!

Das kann ich im Nachhinein aber auch nur so positiv sehen, weil ich tatsächlich den richtigen Weg gefunden habe und über Ostrau durch Wälder und über Wiesen zurück nach Bad Schandau gewandert bin.

Nach 4,5 Stunden war ich also wieder an meinem Startpunkt, glücklich und durchgefroren. Ich besorgte mir in einer kleinen Bäckerei an der Ecke noch einen heißen Tee, bat den Fährmann mein Handy einen Moment aufzuladen (man muss zu Hause ja auch Bescheid sagen, dass man noch lebt) und machte mich wieder auf den Weg nach Hause.

Im Sommer werde ich die Tour noch einmal laufen – dann hoffentlich ohne Verwirrungen und inklusive Aufstieg auf die Hohe Liebe!

* * *

Die ganze Route findet ihr hier.

 

 

 

 

6 Kommentare zu „Irrungen und Wirrungen

  1. Was ich noch sagen wollte, ich hab für solche Fälle immer einen Power Akku, oder wie das Ding heißt, im Rucksack oder in der Handtasche. Echt doof, wenn der Akku vom Handy leer ist und es keine Möglichkeit zum Aufladen gibt.

    Nochmal, dieser Wanderung bin ich wirklich gerne gefolgt 🙂 Vielen Dank!

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    1. Stimmt, danke! Das ist eine gute Idee. So einen werde ich mich demnächst mal besorgen, damit ich für die nächste Wanderung ausgerüstet bin. Sicher ist sicher! 🙂
      Es freut mich sehr, dass dir mein Wanderbericht gefallen hat. Ich drücke fest die Daumen, dass die Schifffahrt klappt! 🙂

      Gefällt 1 Person

  2. Herzlich willkommen in der schönsten Deutschen Schweiz 😉 Ich wünsche Dir schon mal viele tolle Touren. Ich habe Dir auch mal eine Mail geschrieben… LG Jens

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