Manche von euch haben es vielleicht schon bei Instagram gesehen: vorgestern habe ich wieder meine Wanderschuhe geschnürt und bin losgestiefelt. Der Wetterbericht hatte für Donnerstag bestes Wetter angesagt und das wollte ich ausnutzen, bevor die Kaltfront uns jetzt am Wochenende nochmal erwischt (dieser erneute Wintereinbruch ist völlig unnötig, wenn ihr mich fragt. Ich war schon auf Frühling eingestellt!).

Ich bin also mit dem Zug bis Wehlen gefahren, um dort meine Wanderung zu starten. Ich finde schon immer die Fahrt bis ins die Sächsische Schweiz wahnsinnig schön. Der Zug fährt die ganze Zeit an der Elbe entlang und nach jeder Kurve erwarten einen auf beiden Elbseiten kleine Dörfer mit schönen alten Häusern und immer steiler werdende Sandsteinfelsen. Wenn dann auch noch wie vorgestern die Sonne scheint, sieht es fast aus wie gemalt.

In Wehlen ging es dann einmal über die Gleise, los in Richtung Bärensteine. Endlich mal wieder eine Route, bei der ich den Wegweisern und Wanderzeichen folgen konnte! (nicht so wie bei meiner Tour von Bad Schandau zu den Schrammsteinen, bei der ich mich mehrmals fast verlaufen habe)

Ich bin also dem Weg gefolgt, hoch in den Wald, über eine Straße und einigen letzten Häuser vorbei und dann war ich in der Natur. Niemand war unterwegs und es war wirklich kein Laut zu hören, bis auf das Rascheln der Blätter und ein paar Vögel, die sich – wie ich – emotional auf den Frühling einstellten. Der Weg führte mich durch einen Wald und etwas bergauf bis zu ein paar Pferdekoppeln, zwischen denen ein schön schlammiger Pfad hindurchführte, auf dem jeder Schritt diese typischen Matsch-Geräusche macht und man elegant vorwärts schliddert. Aber gibt es nicht auch so ein tiefgründiges Zitat das lautet: „In the end of the day, your shoes should be dirty.“ Check – hatte ich also schon nach 15 Minuten Wanderung geschafft! 😉

Nach einem erneuten winzigen Stück Straße, entlang an ein paar Häusern, ging es quer über das nächste Feld bis zu einem kleinen Waldstück. Dort warteten schon die ersten Sandsteine auf mich. Und was für welche! Super schön lagen sie zwischen den Bäumen, so als hätte sie jemand wie Bausklötze einfach hingeworfen. Ich habe meine Wanderroute kurz verlassen, weil ich unbedingt zwischen den Steinen hindurch klettern wollte, um einen Blick in dieses Stein-Labyrinth zu werfen. Wirklich toll!

 

Danach ging es dem Wanderweg folgend weiter in den Wald hinein bis zu einer Art Sandstein-Tor. Als ich dort zwischen den riesigen, schroffen Felsen hindurch gekraxeklt bin, kam ich mir richtig klein vor. Das ist wirklich immer wieder das Schöne beim Wandern in der Sächsischen Schweiz: für einen Moment wird der Alltag und der Stress, den man sich mit Uni, Arbeit und Haushalt macht, ganz winzig und man wandert einfach nur durch diese wahnsinnig schöne Welt.

Hinter dem von mir so getauften „Sandstein-Tor“ stand links eine Art Felsbank mit einem kleinen Fels-Tisch. Da habe ich kurz Pause gemacht, um einen Schluck zu trinken. Bot sich ja auch an, wenn schon extra ein Tisch bereitgestellt wird!

Von dort aus waren es dann nur noch wenige Minuten bis zum Fuße des kleinen Bärensteins. Dadurch, dass ich einen Moment den falschen Weg gelaufen bin, nämlich ein Stück um den Bärenstein herum anstatt direkt hinauf, habe ich ein paar richtig schöne Stellen zwischen den Sandsteinen gefunden, von wo man eine tolle Aussicht hat und optimal Pause oder ein paar Fotos machen kann.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und 299 weiteren Fotos,  ging es dann, vorbei an einer alten Ruine, hoch auf den kleinen Bärenstein. Der Ausblick war super! Leider hat sich die Sonne immer noch hinter ein paar Wolken versteckt, aber dennoch konnte man weit über das Land schauen und die Ruhe genießen. Bis…… eine Schulklasse hinter mir ebenfalls den Gipfel des Bärensteins erreichte. Dann war Schluss mit Stille und es wurde lautstark einerseits die Aussicht gelobt und andererseit der steile Aufstieg beklagt. Also machte ich mich wieder auf den Weg, um nicht den weiteren Weg inmitten der Schüler zu laufen. Als angehende Lehrerin habe ich natürlich nichts gegen schreinede 15-Jährige, aber bei meinen Wanderungen ziehe ich die Ruhe vor. Kaum zu verstehen, ich weiß 😉

Jetzt wurde es abenteuerlich. Der Abstieg vom kleinen Bärenstein mündete in einer winzigen Felsspalte, die ich fast übersehen hatte. Ich kroch also durch die Öffnung – nicht ohne mit meinem am Rucksack befestigten Stativ hängen zu bleiben – und stieg ein paar Eisentreppen bis ganz hinunter. Der Weg führte mich dann erst einmal ein ganzes Stück durch den Wald. Eine Weile wanderte ich kreuz und quer zwischen den Bäumen hindurch und war an jeder Wegkreuzung froh, dass ich mir diesmal eine Wanderkarte auf mein Handy geladen hatte, sodass ich nicht auf das dort nicht-vorhandene Internet angewiesen war.

Irgendwann wurde der Weg schlagartig steiler und ich meine, wirklich steil. Durch das nasse Laub und vor allem durch die auf den Weg gestürzte Bäume, die man mal umrunden, mal übersteigen oder unter ihnen hindurch kriechen musste, war der Aufstieg etwas abenteurlicher. Ganz nach meinem Geschmack, also!

Ich erreichte den Fuß des Rauensteins und jetzt begegneten mir tatsächlich ein paar mehr andere Wanderer. Obwohl ich noch gar nicht oben war, gab es auch hier wieder so viele verschiedene Felsvorsprünge mit wunderschönem Ausblick. Nachdem ich  jeden Felsvorsprung und jede Höhle erkundet hatte, ging es über ein paar Eisenleitern hoch auf den Rauenstein. Der Ausblick war atemberaubend. Ich konnte kaum aufhören, ein Foto nach dem anderen zu machen. Die Sonne hatte nun endgültig den Sieg über die Wolken gewonnen und so konnte ich mich nur in Sweatshirt oben auf den Rauensteinsetzen und endlich den 1a Energie-Smoothie trinken, den mein Freund mir vom Einkaufen mitgebracht hatte („damit du extra viel Energie hast“ 😉 ).

 

Irgendwann riss ich mich vom Ausblick los und wanderte nun den Gratweg entlang über den Rauenstein. Und ich habe mich gestern wirklich in diesen Stein verliebt. So viele tolle Felsformationen, teilweise wirklich 360° Rundumblick, abenteurlich gewachsene Bäume…einfach ein Wunder der Natur! Und die Sonne und die frühlingshaften Temperaturen haben es perfekt gemacht. Ihr merkt, ich werde direkt sentimental bei der Erinnerung an gestern 😀

Es war wirklich schön und der Rauenstein gehört seit gestern zu einem meiner Lieblingspunkte in der Sächsischen Schweiz. Läuft man übrigens nicht wie ich die Runde über die Bärensteine, sondern von Wehlen direkt zum Rauenstein, ist man innerhalb weniger als einer Stunde dort, ohne schwierige Aufstiege oder Klettereien.

Ich war ewig auf dem Rauenstein unterwegs, habe Fotos mit und ohne Stativ gemacht oder einfach nur den Ausblick und die Sonne genossen. Heute kann man sich das kaum mehr vorstellen, denn während ich am Schreibtisch sitze und das hier schreibe, schneit es draußen ununterbrochen. Umso schöner, dass gestern nochmal so ein toller Tag war!

 

Vom Rauenstein aus bin ich dann einen sanft abfallenden Waldweg weitergelaufen bis ich auf einmal an ein Schild gelangte, auf dem „Durchgang verboten! Baumfällarbeiten“ geschrieben stand. Na super, dachte ich mir, und was nun? Ich warf einen kurzen Blick auf meine Wanderkarte auf dem Handy und stellte fest, dass es keine Alternative gab – außer ewig zurückzulaufen. Also blieb mir irgendwie nichts anderes übrig und ich wagte mich am Schild vorbei weiter durch den Wald.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich ein kleiner Schisser bin, was das Missachten von Schildern oder Ähnlichem anbelangt und ich dachte, gerade Baumfällarbeiten sind nicht unbedingt etwas, wo ich dazwischen geraten möchte. Und plötzlich hörte ich etwas entfernt tatsächlich ein lautes „WUMMM“ und spürte sogar eine leichte Erschütterung. Der Schreck war groß. Aber ich musste ja weiter und irgendwie wieder nach Wehlen. Ich erreichte zwei am Wegrand geparkte Autos und erlebte den nächsten Herzinfakt, als ich in eines der Autos einen Blick warf und dort ein Mann auf dem Beifahrersitz saß. Kennt ihr diesen Schreckmoment, wenn ihr keinen Menschen erwartet und dann plötzlich einer auftaucht?! Ich Angsthase habe mich natürlich total erschrocken, obwohl der ältere Herr einfach nur zusammen mit seinem Hund im Auto saß und schlief (sowas erwartet man mitten im Wald aber irgendwie auch nicht…). Ich bin vorsichtig weitergestiefelt und bin – kurz um – am Ende gut in Wehlen angekommen. Ich bin kurz nachdem ich an den parkenden Autos vorbei war, auf die Forstarbeiter gestoßen, habe meine verzwickte Situation erklärt und wurde freundlicherweise bis zum Rand des gesperrten Waldgebiets geleitet.

Und so kam ich dann auch wohlbehalten wieder in Wehlen an, setzte  mich in den Zug und fuhr mit dreckigen Schuhen, müden Füßen und ein paar Sommersprossen mehr auf der Nase wieder nach Hause.

* * *

Hier findet ihr meine komplette Route.

 

 

 

 

 

 

5 Kommentare zu „Verliebt in den Rauenstein

  1. Toller Bericht und beeindruckende Bilder. Und was das missachten von Schildern etc. anbelangt, bist du in guter Gesellschaft. Ich habe mich von einem Absperrband (Hornissennest) auf dem Rheinsteig zu einem ziemlichen Umweg verleiten lassen 😊
    Liebe Grüße,
    Audrey

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    1. Vielen lieben Dank! 🙂 Na da bin ich ja beruhigt, dass ich da nicht alleine bin! Aber sowas kann einen schon vor Herausforderungen stellen, wenn dann nicht so schnell ein akternativer Weg vorhanden ist! Liebe Grüße, Isabel

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  2. Hallo Isabel!
    Die sächsische Schweiz ist wirklich wunderschön!
    Hab in meiner Jahresplanung bei der Beantwortung von Elkes Fragen zum Mystery Blogger Award ganz vergessen zu berichten, dass ich 2018 auch ins Elbsandsteingebirge fahre, mit – und jetzt halte dich fest – meiner Klasse auf Klassenfahrt! Ich kann deine Einstellung zu Kinderlärm versus Wanderruhe sehr gut nachvollziehen 😀.
    Gruß
    Aurora

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