„Der Tradition nach aber ist die steinerne Jungfer das immerwährende Mahnmal eines Strafgerichts, nach welchem es geschehen seyn soll, daß eine Mutter ihre Tochter Sonntags habe heißen in die Kirche gehen, die Tochter aber sey währender Kirche auf den Pfaffstein in die Heydelbeere gegangen, und als sie die Mutter daselbst angetroffen, habe sie die Tochter im Zorn verwünschet, daß sie müsse auf der Stelle zum Stein werden; worauf solches augenblicklich also geschehen, und daher diese zum Stein gewordene Jungfer auf immer allhier stehe, und mit ihrem Steinbilde alle ungehorsame Kinder warne.“

So lautet die Sage vom Jungfernstein in der Sächsischen Schweiz, heute auch bekannt als die Barbarine, einer der bekanntesten freistehenden Felsen im Elbsandsteingebirge. Die Barbarine steht schon eine Weile auf meiner Liste.

Zur Zeit mache ich im Rahmen meines Lehramtsstudiums ein Praktikum an einem Dresdner Gymnasium; 6. Klasse, Deutschunterricht, Thema: Sagen und Mythen. Dabei bin ich auf die eine oder andere Sage aus der Sächsischen Schweiz gestoßen (und es gibt so viele schöne Erzählungen dazu!), darunter auch die Sage zur Barbarine. Ein Anreiz mehr, mir diesen sagenumwobenen Felsen einmal anzuschauen!

Am Freitagmorgen ging es dann los, wie immer mit dem Zug von Dresden bis nach Königstein. Vom Bahnhof aus lief ich erst ein Stück durch den Ort, den ich bisher nur flüchtig und vom Vorbeifahren kannte. Die schmalen, alten Häuser rechts und links der gepflasterten Straße, die sich langsam den Berg hochschlängelt, der Kirchturm, der hinter den Häusern empor ragte und über allem die Festung Königstein (wo es übrigens den, meiner Meinung nach, schönsten Weihnachtsmarkt der Umgebung gibt).

Hinter einer kleinen Bäckerei bog ich links ein und folgte dem Schild „Zur Eiche Schöne Aussicht“. Nach nur wenigen Schritten fand ich mich, umgeben von wucherndem Grün, auf einer schmalen Steintreppe weider. Die Treppe führte mich auf einen Weg, vorbei an vielen schönen Gärten oberhalb des Ortkerns entlang. Ich folgte meiner Route, verließ Königstein und konnte nach Kurzem schon den Pfaffenstein sehen. Der Weg führte mich zwischen Wiesen und Feldern hindurch bis zum Fuße des Felsens, wo ich die Wahl zwischen einem Aufstieg durch das „Nadelöhr“ und dem so ausgeschilderten „Bequemen Aufstieg“ hatte. Ich entschied mich für das Nadelöhr und marschierte los.

Zunächst ging es bei leichter Steigung durch den Wald, vorbei an riesigen Felsbrocken und wildem Geäst. Der Tag war grau und nass, somit wurde es immer dunkler, je weiter ich in den Wald hineinging. Es roch nach feuchtem Waldboden und ich hörte nur meine eigenen Schritte, während ich so vor mich hin wanderte. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich (außer in Königstein) noch keiner Menschenseele begegnet.

Ich gelangte an eine steile Steintreppe, die sich zwischen den Felsen hindurch schlängelte. Die Felsen waren von Moosen und Farnen bevölkert, was in den kommenden Monaten wahrscheinlich noch mehr werden würde. Manchmal versetzen mich diese Anblicke für einen Momente wie in eine andere Welt. In eine mystischere, verwunschenere grüne Welt, fernab von Autostaus, Supermärkten und Reklametafeln.

Die Treppe wurde immer schmaler bis ich mich an einer Stelle durch ein Felsenloch hindurch ducken musste (der Name Nadelöhr ist also Programm 😉 ). Oben angekommen, war ich dann schon auf dem Pfaffenstein – also kein sehr langer Aufstieg. Hier ging es nach links und rechts zu allen möglichen Aussichtspunkten und ich glaube, meine am Ende des Beitrags verlinkte Route deutet nur ansatzweise meine Laufrichtungen ab. Ich lief erst einmal einfach kreuz und quer überall entlang und erkundete alle Ecken und Aussichten.

Nach und nach begegnete ich dann auch anderen Wanderern und gegen 10 Uhr war dann schon richtig was los – zumindest im Vergleich zu meinen sonstigen Wanderungen. Aber der Pfaffenstein mit seiner steinernen Jungfer ist ja auch ein Touristenmagnet. Und diese Jungfer wollte ich ja nun auch noch sehen!

Also ging es weiter über den Felsen, immer den Wegweisen zur Barbarine folgend, aber nicht ohne weiterhin mal rechts und links einem Pfad zu folgen und zu schauen, was es dort so zu entdecken gab. Wenn man sich die Karte unten mal genauer anschaut, gibt es da nämlich so Einiges!

An der Berggaststätte, einem Ausflugslokal oben auf dem Pfaffenstein, vorbei und über ein paar weitere Felstreppen und Eisenleitern, kam ich an eine sehr enge Felsspalte, durch die der Weg hindurch noch höher auf den Pfaffenstein führte.

Da fühlt man sich fast ein bisschen wie ein Entdecker, wenn man so durch die schmalen Spalten klettert und dann von einem unglaublich schönen Blick über die Landschaft der Sächsischen Schweiz erwartet wird.

Von dort aus war es dann nicht mehr weit bis zur Barbarine. Ich musste einfach nur dem Weg folgen, dort gab es dann nicht mehr so viele Abzweige wie zuvor, und schon gelangte ich über weitere Eisenleitern zu einer kleinen Freifläche zwischen den Sandsteinen, von der aus ich nach links zwischen den Felsen hindurch zur Barbarine kam.

Dort stand sie dann, die steinerne Jungfer, eines der Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz. Mit ganz viel Fantasie, kann man die menschenähnliche Figur erahnen.

Auch dort gab es wieder verschiedene Aussichtspunkte und schöne Flecken für eine kleine Pause mit Aussicht. Den Blick über die Landschaft liebe ich im Elbsandsteingebirge am meisten. Hat man den steilen Aufstieg über Felsen, Treppen und Leistern geschafft, erwartet einen eine Aussicht über bewaldete Hügel in verschiedenen Grüntönen, immer wieder unterbrochen durch riesige Sandsteinfelsen. Und bei klarer Sicht, kann man bis ins Erzgebirge schauen. Dabei packt mich jedes Mal diesselbe Sehnsucht und Faszination, wie wenn ich über das Meer schaue.

Nach meiner kleinen Pause führte mich die Route den Weg, den ich gekommen war, wieder ein Stück zurück, bis zu einem Abzweig, an dem der „Bequemere Abstieg“ begann. Dieser Weg führte mich erneut zwischen Felswänden und von Pflanzen überwucherten Steinen hindurch langsam wieder zum Fuß des Pfaffensteins. Ich bin immer wieder beeindruckt von den Sandsteinformationen und dem Gefühl, das sie einem vermitteln, wenn man auf den schmalen Wegen zwischen ihnen hindurch wandert. Man ist als Mensch so winzig im Vergleich zur Natur und ihrer Schönheit.

Unten angekommen, folgte ich dem Weg um den Pfaffenstein herum zurück zu dem Wegpunkt, an dem ich meinen Aufstieg begonnen hatte.

Von dort aus lief ich dann nicht wieder links am Feld entlang direkt nach Königstein, sondern dem Weg geradeaus in den Ort Pfaffendorf folgend. An der Straße entlang gelangte ich durch den Ort und schlussendlich wieder nach Königstein.

Das war meine Wanderung zur steinernen Jungfrau und ich muss sagen, dass es eine wirklich schöne Runde war. Der Pfaffenstein hat, abgesehen von der Barbarine, viele weitere tolle Ecken zu entdecken und hat mich mit seinen wilden, verwunschenen Aufstiegen und Wegen begeistert.

Hier wie immer die ganze Tour.

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar zu „Die steinerne Jungfer der Sächsischen Schweiz

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