Nun ist es schon wieder eine ganze Weile her, dass wir mit vollgepacktem Auto in Richtung Alpen gefahren sind. Gestern bin ich auf ein paar Fotos gestoßen, die ich im Juli im Berchtesgadener Land gemacht habe, und hatte direkt Lust mich wieder zurückzuträumen.

TAG 1

Wir hatten vor, dort fünf Tage zu verbringen. Wir wollten Berchtesgaden erkunden, wandern, im Zelt übernachten und Ravioli in roter Soße auf dem Campingkocher zubereiten. Der Leihwagen war dementsprechend gut gefüllt, als wir uns früh morgens auf den Weg machten. Trotz einiger kleinen Staus, kamen wir gut durch und es tauchten schon bald die Gipfel der ersten Berge vor uns auf. Das Wetter war grandios: der Himmel blau und die Sonne strahlte wie verrückt.

Wir erreichten den hübschen Zeltplatz, den ich zuvor im Internet gefunden hatte, suchten uns einen kleinen Platz auf der Wiese, ganz außen, wo schon das Feld des Bauerns begann, und bauten unser Zelt auf – mit direktem Blick auf den Watzmann und den Hochkalter. Ein Traum!

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Erster Blick auf den Hintersee

Da noch früher Nachmittag war, machten wir uns anschließend auf den Weg zum Hintersee. Wir fuhren die sich zwischen den steilen Felswänden hindurchschlängelnden Straßen entlang, an Kühen und Pferden vorbei bis der See vor uns auftauchte. Das Wasser schimmerte in grünen und türkisblauen Tönen und immer wieder spiegelten sich Bäume und Berge auf der Wasseroberfläche.

Wir stellten unser Auto ab und stiefelten einfach wahllos in eine Richtung los. Wir wollten den Hintersee einmal umrunden und ein Stück durch den Zauberwald gehen.

Es war, obwohl es ein Donnerstag außerhalb der Ferien war, nicht gerade leer. Überall planschten Familien im flachen Wasser, andere Wanderer kamen uns mit ihren Rucksäcken entgegen und sogar eine Jugendgruppe aus dem dort liegenden Camp war auf Schnitzeljagd und begegnete uns einige Male. Es war dennoch nicht zu überfüllt und wir konnten entspannt auf den Wegen um den See schlendern.

Zwischen hohen Bäumen lagen am Ufer und im Wasser riesige Felsbrocken, die mit der Zeit von Moos und anderen Pflanzen überwuchert worden waren. Und immer wieder konnte man zwischen den Bäumen hindurch einen Blick auf den Hintersee werfen, der glitzernd zwischen den Bergen lag.

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Unser Weg führte uns in den Zauberwald und entlang eines reißenden Baches, dessen Wasser so klar war, dass man bis zu den kleinen weißen Kieselsteinen schauen konnte, die am Boden des Gebirgsbachs lagen. Ich konnte nicht anders und musste einen Fuß in das kalte Wasser stecken – der gefühlt sofort zu Eis gefror! Das war selbst bei den heißen Temperaturen zu erfrischend – aber muss sein, wenn man schon mal dort ist.

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Die Natur dort war wirklich unglaublich schön und wir konnten uns gar nicht satt sehen. Wir umrundeten den See und waren nach ungefähr zweieinhalb Stunden wieder am Auto. Ich hatte bestimmt bereits mehrere hundert Fotos geschossen und wir beide waren sehr, sehr hungrig. Also ging es zum Einkaufen nach Berchtesgaden und dann auf den Zeltplatz, wo unsere „Küche mit Bergblick“ uns erwartete.

TAG 2

Kurz nach Sonnenaufgang war ich wach, lag in meine Decke gekuschelt im Zelt und lauschte den Geräuschen um uns herum. Der Zeltplatz grenzte an einer Seite direkt an einen kleinen Wald und an der anderen lagen Feld und Acker. Man hörte das Rascheln der Blätter und ab und zu ein paar Vögel. Dieses entspannte Aufwachen in der Natur ist einer der Gründe, weshalb ich Zelten so gern habe. Es hielt mich dann auch nicht mehr lange im Zelt und so begann ich gegen halb sieben Kaffee zu kochen. Mit der ersten Tasse heißem Kaffee setzte ich mich auf einen der Stühle, ließ den Blick über die Berge streifen und versuchte einen Moment mal an nichts zu denken. Einfach nur dort zu sein und den Moment zu genießen.

Während wir frühstückten, konnten wir schon spüren, wie es unter der stärker werdenden Sonne immer wärmer wurde. Wir wälzten noch einmal unseren Wanderführer und entschieden uns dann für eine halb rote, halb schwarze Wanderroute inklusive Schartendurchquerung.

Ab auf den Berg

Die Wanderung begann in Ramsau, direkt am Eingang zur gut besuchten Wimbachklamm. Der Parkplatz war daher bereits gut gefüllt, als wir ankamen. Nachdem wir am Eingang zur Klamm vorbei waren, wurde es auf den Wanderwegen allerdings schlagartig leer und wir liefen ohne jemandem zu begegnen durch den Wald. Wir stiefelten unter Bäumen entlang, an Weiden vorbei, über sehr kleine Pfade zwischen Gestrüpp hindurch, über einige Wiesen und ein Geröllfeld, immer weiter den Berg hinauf. Tatsächlich liefen wir drei Stunden lang 1000 Höhenmeter bergauf. Und dass bei 30 °C in der Sonne.

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Nach den drei Stunden waren wir kurz vor der Scharte, die es zu durchsteigen galt, und machten unsere erste richtige Pause. Die war auch bitter nötig! Wir setzten uns auf einen der größeren Felsen am Wegrand, schnitten etwas vom Brotlaib und dem Stück Käse ab, das wir im Rucksack hatten, und verschnauften einen Moment.

Dann folgte das Highlight der Wanderung. Wir setzten unseren Weg noch ein Stück fort und erreichten dann die Scharte zwischen den zwei Bergspitzen. Von dort konnten wir einen Blick hinunter werfen, dorthin, wo wir gleich absteigen würden. Und das war unglaublich! Wir konnten auf den massiven Watzmann blicken, sahen dabei zu, wie die Wolken sich hoch oben an den Berggipfeln verfingen und fühlten uns winzig.

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Also machten wir uns an den Abstieg – den schwarzen (also schwersten) Teil unserer Wanderung. Über schmale Schotterwege ging es durch die Scharte hindurch wieder hinab Richtung Tal. Wie Serpentinen schlängelten sich die viel zu schmalen Wege den Berg hinunter, ab und zu unterbrochen durch eine Leiter oder eine kurze Kletterstelle. Bis auf einen Abschnitt durch den Wald, führten uns die schmalen Wege direkt am Hang entlang, immer mit freiem Blick ins Tal.

Ich muss zugeben, dass gar nicht nur dieser steil abfallende Hang, sondern vor allem das Geröll in Verbindung mit dem steilen Gefälle am schwierigsten war. Man hatte nie das Gefühl, wirklich fest auftreten zu können, weil man dann direkt auf dem Schotter ein Stück abwärts rutschte. Also gingen wir vorsichtig, einen Fuß nach den anderen setzend, immer auf den Halt unter den Füßen bedacht.

Nach mindestens zwei Stunden hatten wir den Abstieg so gut wie geschafft und das Gefälle wurde leichter. Als wir uns umdrehten und uns anschauten, was wir da gerade abgestiegen waren, kam es uns noch gewaltiger vor als von oben betrachtet. Erschöpft, aber stolz erreichten wir die urige Hütte mit dem Namen „Wimbachschloss“ , wo wir mit einem großen kühlen Hefeweizen auf die erfolgreiche Wanderung anstießen. Das gehört doch irgendwie auch dazu!

Die restlichen Stunden des Tages verbrachten wir damit, uns im Berchtesgadener Supermarkt mit einer Masse anderer Touristen durch die Gänge zu boxen, auf unserem kleinen Campingkocher Spaghetti zu kochen und in unsere Stühle gekuschelt Rotwein aus unseren Kaffeebechern zu trinken. Der Watzmann glühte passend dazu im Abendlicht.

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TAG 3

Im Wetterbericht hatten wir bereits gesehen, dass der Himmel an unserem dritten Tag nicht mehr so schön blau sein sollte, sondern von Wolken verhangen wäre. Tatsächlich hatte der Wetterbericht Recht und dicker Dunst hing über dem Tal, als wir morgens aus dem Zelt krochen.

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Aber, ganz nach dem Motto „schlechtes Wetter gibt es nicht, es gibt nur schlechte Kleidung“, frühstückten wir heute eben in Kapuzenpullis in unserer Bergblick-Küche und machten uns anschließend mit Regenjacken im Gepäck auf in Richtung Berchtesgaden. Heute wollten wir den legendären Königsee sehen!

Der Berchtesgadener-Klassiker: Königsee

Wir stellten unser Auto auf dem dortigen Parkplatz ab (der aufgrund unserer Gästekarte vom Campingplatz gar nicht mehr so teuer war) und marschierten los. Erst durchquerten wir den kleinen Ort, der vollgepackt war mit Läden und Souvenirshops, in denen Hüte, T-Shirts, Wanderstöcke und sogar Kuhglocken verkauft wurden. Wir ließen die Läden hinter uns und erreichten den Fähranleger am Königsee. Schon von dort aus, sah der See gewaltig aus! Die Berge ragten steil an den Seiten des Sees hinauf, wo die Wolken sich in ihren Gipfel verfangen hatten.

Dann der kurze Schock: eine Überfahrt über den Königsee für zwei Personen kostete 40 Euro. 40 Euro!!! Für eine Fahrt mit dem Boot. Wahnsinn… Tatsächlich musste ich kurz mit mir ringen, ob wir das tatsächlich machen sollten, andererseits waren wir nun schon hier und wollten natürlich auch etwas von der Gegend sehen. Also wurden die Scheine hingeblettert und es ging los auf’s Schiff. Wir ergatterten einen Fensterplatz ganz vorne und hatten so sowohl einen wunderbaren Blick auf den See als auch in die Kabine und auf die Gerätschaften des Kapitäns. Optimal!

Die Überfahrt dauerte circa 20 Minuten und immer wieder zeigten sich uns wahnsinnige Felswände und Aussichten auf die Berge oder die Wallfahrtskirche St. Bartholomä.

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Wir fuhren mit dem Boot bis zur letzten Fähranlegestelle , um dann vom Ufer des Königssees bis hin zum Obersee zu wandern.

Der Obersee war urprünglich mal ein Teil des Königsees und wurde bei einem Felssturz von diesem getrennt. Der Weg führte uns zwischen anderen abgebrochenen Felsen hindurch, in einen Wald, bis wir nach nur 10 Minuten den Obersee durch die Bäume hindurch glitzern sehen konnten. Nachdem schon der Königsee ein atemberaubender Ort war, faszinierte mich der Blick über den Obersee sogar noch mehr. Der See leuchtete in einer türkisgrünen Farbe und die Spiegelung der Bergwände auf der Wasseroberfläche erschien wie gemalt. Wir suchten uns ein paar Felsen und machten dort eine kurze Pause, um den Ausblick zu genießen und alles in uns aufzusaugen.

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Leider war es an dieser Stelle aufgrund des tollen Blicks über den See sehr überfüllt und immer wieder kamen Scharen an Touristen, um Bilder zu machen. Erstaunlich war, dass der Großteil davon statt Wanderschuhen nur schmale Sandalen und ein Kleidchen trugen, anscheinend also nur für die „Attraktion“ und nicht zum Wandern gekommen waren. Wir entflohen dieser Fülle an Menschen schnell wieder und machten uns auf den Weg auf die andere Seite des Sees. Der Wanderweg führte direkt am Ufer entlang und immer wieder hatte man Gelegenheit einen Blick über den See und die dahinter empor ragenden Felswände zu werfen.

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Wir passierten die rechte Seite des Sees und erreichten am Ende des Wanderweges die Fischunkelalm. Wir schauten uns an der kleinen Holzhütte um und mussten feststellen, dass es hier ebenfalls voll war und kein einziger freier Platz mehr zu finden war. Deshalb entschieden wir, uns für unsere Pause einen Felsen zu suchen, auf den wir uns für ein kurzes Picknick hinsetzen könnten.

Gesagt, getan und ich würde sagen der Ausblick von unserer Picknickstelle direkt am Ufer war noch besser als von der Hütte aus.

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Nach unserer Picknickpause ging es den Weg, den wir gekommen waren, entlang des Sees zurück und als wir wieder in der Fähre saßen und über den Königsee fuhren, begann es wie aus Eimern zu schütten. Trotz des Regens stiegen wir aber an der Fähranlegestellt St. Bartholomä noch einmal aus, um uns die Wallfahrtskirche anzuschauen. Ursprünglich hatten wir auch überlegt, noch zur sogenannten „Eiskapelle“ zu wandern, das haben wir aufgrund des zunehmenden Regens, aber entschlossen auf unseren nächsten Besuch in Berchtesgaden verschoben.

Der Regen hörte zum Abend hin dann tatsächlich noch einmal auf, sodass wir die Pause nutzen konnten, um unseren Campingkocher auszupacken und Abendessen zu kochen. Gegessen haben wir dann aber tatsächlich in unserem kleinen 2-Personen Zelt. Allerdings war das mit Lichterkette, Rotwein und dem Regentrommeln auf dem Zeltdach auch irgendwie schön.

TAG 4

Der Regen, der am Tag zuvor begonnen hatte, hörte die Nacht über nicht auf, sodass wir nach dem Aufwachen im Zelt lagen und überlegten, wie wir unseren letzten Tag hier nun angehen sollten. Draußen war wirklich ALLES nass, der Boden, der noch nicht sehr lange vom Ackerboden zu einem Zeltplatz umgewandelt worden war, wurde immer weicher und das Dach unseres (eigentlich hochwertigen) Zeltes schienen dem Regen auch nicht mehr lange standzuhalten, denn langsam begannen sich an den Nähten kleine Wassertropfen zu bilden.

Und dann ging alles ganz schnell.

Wir entschieden uns – im Dauerregen – alles so schnell wie möglich abzubauen und in das Auto zu packen… und abzureisen. Der Regen sollte den ganzen Tag über nicht aufhören und wir hatten wenig Lust, unseren letzten Tag im Zelt zu verbringen, um dann morgen früh abzureisen. Gesagt, getan – nach kurzer Zeit war unser nasses Zelt eingepackt und so wie alle andere Sachen wild im Auto verstaut.

Schweren Herzens fuhren wir vom Zeltplatz und trauerten um den einen, uns vom Regen genommenen Urlaubstag. Während wir über die Bergstraßen Richtung Autobahn fuhren, wurde der Regen allerdings immer heftiger und wir waren doch froh, diese Entscheidung getroffen zu haben.

Ganz sicher kommen wir wieder und bringen noch einmal viel Zeit mit, um das Berchtesgadener Land weiter zu erkunden!

Unbenannt

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* * *

5 Kommentare zu „„Liebes Tagebuch, heute erzähl‘ ich dir von Berchtesgaden…“

  1. Irgendwie werden hier die Fotos gar nicht angezeigt. Im WordPress Reader hingegen sind die meisten zu sehen. Ich habe seit 6 Monaten auch ständig Probleme mit der Darstellung der Fotos Schon während des Schreibens werden sie mal eingeblendet, mal nicht und erst nach erneutem Laden der Seite alle gezeigt.

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