Schon seit ich klein bin, male ich mir vor einem Ereignis, einem besonderen Tag, einem Urlaub, einem Treffen oder Ausflug ganz genau aus, wie es werden wird. Ich überlege, wie es ablaufen könnte, was auf mich zukommt und male mir in Gedanken alles ganz genau aus. Dass das nicht immer gut ist, weil man dann schnell enttäuscht ist, wenn es anders kommt, ist mir klar. Aber jeder hat halt so seine kleinen Eigenheiten, nicht wahr?

Für letzten Samstag hatte ich den Entschluss gefasst, kurz vor der Zeitumstellung noch einmal zum Sonnenaufgang ins Elbsandsteingebirge zu fahren. Die Wetter-App auf meinem Handy sagte zwar keinen strahlend blauem Himmel sondern Wolken voraus, aber das könnte ja auch einen tollen Sonnenaufgangshimmel und Nebel zwischen den Sandsteinen bedeuten. Also stellte ich mir den Wecker besonders früh am Samstag und machte mich noch im Dunkeln auf den Weg nach Rathen, um rechtzeitig dort zu sein. In meinem Rucksack hatte ich eine Thermoskanne Kaffee und eine Decke, um gemütlich die erste Tasse Kaffee hoch oben auf den Felsen genießen zu können, während die Sonne am Horizont langsam aufgehen würde.

Als ich dann müde in Rathen aus dem Zug stieg, mich von der Fähre auf die andere Elbseite bringen ließ und den Weg bis hoch zur Bastei wanderte, freute ich mich nicht nur auf den Kaffee mit Ausblick, sondern auch auf die tollen Sonnenaufgangsmotive, die mich und meine Kamera gleich erwarten würden.

Naja, wie eingangs erwähnt… manchmal gehen die Vorstellungen, die man so hat, eben nicht in Erfüllung. So auch an diesem Tag.

Oben begrüßte mich eine Bastei unter einer grauen Wolkendecke, so dick, dass man den Moment des Sonnenaufgangs gar nicht wirklich ausmachen konnte. Nicht einmal Nebel hing zwischen den Bäumen im Tal. Einfach bloß ein tristes Grau-in-Grau. Und dann fing es auch noch an zu regnen. Was für ein Reinfall! Im ersten Moment war ich tatsächlich enttäuscht. Ich hatte mir alles so schön ausgemalt! Und war extra so früh aufgestanden und dann stand ich dort im Regen ohne Sonnenaufgang im Elbsandsteingebirg statt gemütlich im Bett zu liegen.

Die Bastei im Herbst

Da ich einen Abbruch meiner kleinen morgendlichen Wanderung aber auch nicht akzeptieren wollte, stiefelte ich einfach in meine Regenjacke eingepackt weiter durch den Wald. Ich wollte noch zur Wehlnadel und hatte ursprünglich geplant, dort meinen Kaffee zu trinken. Regen hin oder her, Aufgeben war keine Option!

Und ich hatte tatsächlich Glück. Als ich die Aussichtstelle an der Wehlnadel erreichte wurde der Regen schon etwas weniger und hörte schließlich ganz auf. Die Sonne schaffte es zwar trotzdem nicht durch die Wolkendecke, aber ich glaube, das dunkle Grau wechselte mit der Zeit tatsächlich zu einem etwas helleren Grau.

So saß ich dann am Ende doch hoch über den Sandsteinen und trank meine Tasse Kaffee. Der Ausblick war zwar ganz anders als in meiner Vorstellung, aber irgendwie doch perfekt unperfekt mit den dicken Wolken und der düsteren Stimmung über den Wäldern der Sächsischen Schweiz.

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