Es gibt kein schlechtes Wetter zum Wandern.

Ich, unwissend, vor einer Woche.


Von dieser Annahme war ich überzeugt. Schlechtes Wetter gibt es nicht, man muss sich nur entsprechend anziehen. Nagut, ich gebe zu, bei strömendem Regen würde ich auch keine Wanderung machen. Aber Kälte, Wind und Regenwahrscheinlichkeiten (von denen niemand weiß, ob sie tatsächlich eintreten) stellen für mich keinen Grund dar, zu Hause zu bleiben. Also hat mich die Wettervorhersage für letzten Freitag nicht davon abgehalten, ins Elbsandsteingebirge zu starten:

  • Temperatur: -3° C (gefühlte Temperatur: -8° C)
  • ganztägig bewölkt
  • Wind: 24km/h, Böen: 61km/h
  • Niederschlagswahrscheinlichkeit: 80%

In mehrere Lagen Kleidung, Regenjacke, Mütze und Handschuhe eingepackt, habe ich mich also auf den Weg gemacht und war der Meinung, so den Minusgraden zu trotzen. Ich hatte mir für meine Wanderung den Lilienstein ausgewählt. Schon als ich von Königstein aus startete, den Ort Halbestadt durchquert hatte und über das Feld zu Füßen des Liliensteins wanderte, wehte mir ein ordentlicher Wind um die Ohren.

Ich zog meine Mütze tiefer ins Gesicht, erreichte den Wald um den Lilienstein herum und erklomm nach und nach den großen Sandsteinfelsen. Ich war ganz allein dort, nur umgeben vom Rauschen der Blätter im Wind und dem Knistern des trockenen Laubs unter meinen Füßen (das teilweise knöchelhoch auf den Wegen lag).

Oben angekommen hatte ich die Aussichtsplatformen ganz für mich und hielt dort nach dem Aufstieg einen Moment inne. Ich schoss ein paar Fotos und stellte wieder einmal fest wie traumhaft schön die Aussicht von dort oben über das Elbtal, die Sandsteine und umliegenden Dörfer ist.

Und dann kam die Kälte. Nachdem ich vom Aufstieg wieder etwas runtergekühlt war, spürte ich, wie eisig die Luft dort oben war und wie gemein der Wind einem die Kälte bis unter die Haut trieb. Ohne viel stehen zu bleiben, folgte ich den Wegen oben auf dem Lilienstein von einer Aussicht zur nächsten. Ich hatte das Gefühl, das der Wind mit jedem meiner Schritte stärker wurde. Eisige Böen schlugen mir entgegen, die zwar auch angesagt waren, allerdings eigentlich erst für den Nachmittag. Die Kamera hatte ich schon lange im Rucksack verstaut, denn meine Hände waren trotz der Handschuhe durchgefroren. Die eisige Luft, die mir dort oben entgegenschlug brannte im Gesicht und auch die zwei Pullover, die ich unter meiner Jacke trug, schafften es nicht mehr, mich zu wärmen. Mein Handy zeigte mir mittlerweile eine Temperatur von -5° C (gefühlt -10° C) an.

Nach einer Stunde auf dem Lilienstein musste ich mir eingestehen, dass ich für Winterwanderungen bei solchen Bedingungen wohl doch noch nicht bereit war. Etwas zerknirscht trat ich den Abstieg an, meine Füße in den Wanderstiefeln nur noch Eisklumpen. Je näher ich wieder dem Fuß des Liliensteins kam, umso mehr spürte ich meine Hände und Füße wieder.

Als ich mit einer Tasse und einem Hörnchen beim Bäcker in Königstein saß, musste ich zugeben: Es gibt Wetter, das zum Wandern vielleicht nicht ganz so geeignet ist… Auch im Ort hatten Wind und Kälte nun zugenommen und die ersten vereisten Stellen machten sich auf den Straßen bemerkbar. Ich war also doch ein wenig froh, rechtzeitig den Rückweg angetreten zu sein.

2 Kommentare zu „Elbsandsteingeschichten: Die Sache mit dem Wanderwetter

  1. Ich schwöre auf Merinowolle – schon zu ganz unterst, also langärmeliges Unterhemd und lange Unterhosen. Die Kleidung darüber nicht zu eng wählen, den Luft als Zwischenraum isoliert auch.
    Und gegen die stechende kalte Luft im Gesicht ist der Calendula Wind- und Wetterbaslam von Weleda ganz toll.

    Gefällt 1 Person

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