Oft höre ich Sätze wie: „Was? Du gehst alleine wandern? Das würde ich ja nicht machen.“ oder „Und du bist wirklich manchmal ganz alleine unterwegs? Hast du dann keine Angst?“
Würde man mich das auch fragen, wenn ich ein Mann wäre? Würden andere sich dann auch wundern, wenn ich davon erzähle, dass ich gestern wieder alleine eine Tour durchs Elbsandsteingebirge gemacht habe? Fragt man Männer auch, ob sie Angst haben, wenn sie irgendwo unterwegs sind?
Angst habe ich keine. Allerdings ist mir schon auch mal mulmig zumute – das muss ich gestehen. Vor allem bei meinen ersten Touren, wenn die Routen mich mitten durch den Wald, vorbei an zerklüfteten Felsformationen führten, zwischen denen sich alles und jeder verstecken könnte ohne entdeckt zu werden, kamen mir auch mal ein paar Zweifel.
Was, wenn ich hier jetzt Wildschweinen begegne? Was, wenn hier doch jemand umherstreift, der nichts Gutes im Sinn hat? Was, wenn ich mir den Knöchel verstauche und niemand da ist, der mir helfen kann?
Natürlich habe ich diese Gedanken. Ich denke, das ist ganz normal. Vielleicht werden solche Sorgen aber auch verstärkt, wenn jeder einen fragt, ob man denn alleine nicht Angst hätte. Wenn einem beinahe eingeredet wird, dass es gefährlich wäre, als Frau alleine wandern zu gehen.

Ich finde man sollte aufhören, Frauen einzureden, dass sie alleine Angst haben müssen. Dass ihnen überall Gefahren drohen und sie lieber nur in Begleitung eines großen, starken Mann losziehen sollten.
Mir ist noch nie etwas passiert und ich passe gut auf mich auf – mittlerweile meine Standardantwort. Ich habe immer mein vollgeladenes Telefon dabei, mein Freund weiß welche Route ich laufe und zwischendurch melde ich mich immer mal kurz bei ihm. Damit fühle ich mich einfach besser (außerdem kann ich es nicht lassen, ihn bei der Arbeit mit meinen kurzen Wanderinfos neidisch zu machen 😀 ). Und mit dieser kleinen (ich gebe zu, hauptsächlich subjektiven) Sicherheit, geht’s dann halt einfach los.
Denn es gibt auch so viele schöne Seiten daran, alleine unterwegs zu sein. Natürlich liebe ich es genauso zu zweit zu wandern, sich zu unterhalten, die Momente gemeinsam zu erleben und das Abenteuer zu teilen. Na klar! Aber für eine Weile nur für sich zu sein, durch einen stillen Wald zu laufen oder ganz oben auf einem Berg zu stehen – das hat auch was! Zeit zum Nachdenken zu haben, Pläne zu schmieden, vor sich hin zu träumen. Oder auch einfach mal ein Moment, um an Nichts zu denken. Einfach nur dort zu sein und die Natur zu erobern. Auf Berge zu steigen und diese Welt zu genießen.
Das erfüllt mich manchmal so sehr, dass ich fast Mitleid empfinde, für die, die sich einreden lassen, nicht alleine losziehen zu können. Denn diese Momente voller Stille, dieses völlige Aufgehen in einem Augenblick, den braucht man manchmal auch ganz für sich allein.

Deswegen werde ich auch weiter alleine losziehen, wenn alle anderen arbeiten sind. Und werde weiterhin antworten, dass mir noch nie etwas passiert ist und ich gut auf mich aufpassen werde.
Und ich empfehle allen, ob Mann oder Frau, das auch mal zu versuchen. 🙂

Hinterlasse eine Antwort zu kleinegipfelstuermer Antwort abbrechen